Pro-Tip für Apothekenkunden

Wenn Sie, aus welchen Gründen auch immer, den Rabattartikel ihrer Krankenkasse nicht akzeptieren und darauf beharren, eine andere Firma zu wollen, hilft es nicht, ApothekerIn oder PTA der Lüge zu beschuldigen, wenn Ihnen mitgeteilt wird, dass wir leider gezwungen sind, uns an die Vorgaben der Krankenkasse zu halten und wir sonst kein Geld bekommen, wenn wir „einfach das, was ich will“ abgeben.

Auch nimmt es ein bisschen die Lust, mir Alternativen für Sie zu überlegen, wenn Sie sich wie ein kleines bockiges Kind verhalten, wenn ich mit den Medikamenten, die mir Ihre Krankenkasse für sie aufzwingt (!), an den HV-Tisch trete. „Ich will aber“ ist leider kein Grund, den Ihre Krankenkasse akzeptiert.

Ich bin wirklich gerne bereit, für Sie alles zu tun, damit Ihr Wunsch erfüllt wird, aber ein bisschen Freundlichkeit erleichtert den Umgang miteinander sehr.<
Meine Idee waren die Rabattverträge nicht – im Gegenteil, ich halte sie auch in ihrer derzeitigen Form nicht für sinnvoll, aber ich muss mich an die gesetzlichen Vorgaben halten, wenn ich für meine Arbeit bezahlt werden möchte.

Hier nochmal ein älterer Artikel zum Thema Nullretaxation – die ist übrigens auch bei Formfehlern (z.B. fehlendem Vornamen des Arztes oder fehlender Telefonnummer) auf dem Rezept erlaubt.

FAQ Teil 1: Die Rezeptgebühr

  1. „Warum muss ich denn jetzt 10 Euro bezahlen? Ich habe doch nur ein Rezept!“

    Die Bezeichnung „Rezeptgebühr“ ist missverständlich. Ganz früher mal war das korrekt, aber schon seit längerer Zeit muss sie für jedes Medikament getrennt entrichtet werden.

  2. „Ja, aber warum sind es denn 10 Euro, obwohl ich nur ein Medikament verordnet bekommen habe?“

    Die Zuzahlung staffelt sich nach dem Preis des Arzneimittels.
    Bis 50,00 Euro Arzneimittelpreis: 5 Euro Zuzahlung
    Zwischen 50,01 und 99,99 Euro: 10% des Arzneimittelpreises, also z.B. für ein Medikament, das 68,70 kostet, werden 6,87 Zuzahlung erhoben
    Ab 100,00 Euro: 10 Euro Zuzahlung (völlig egal, ob das Medikament 103,50 oder 19.000 € kostet.)

  3. „Aber letztes Mal habe ich dafür gar nichts bezahlen müssen!“

    Das kann mehrere Gründe haben:

    Grund 1: Bei Teilnahme am AOK-Hausarztprogramm entfällt die Zuzahlung, wenn in der Praxis zuvor die korrekte Kassennummer auf dem Rezept vermerkt wird und es für das verschriebene Medikament einen Rabattvertrag gibt UND dieses Rabattarzneimittel lieferbar ist. Ist es nicht lieferbar, muss man leider Zuzahlung leisten – allerdings habe ich da schon erlebt, dass die Geschäftsstellen kulant sind und diese Zuzahlung zurückzahlen, wenn sie einen Nachweis über die Nichtlieferbarkeit erhalten. Hat nicht der Hausarzt verschrieben, ist die Zuzahlung zu leisten.

    Grund 2: Das Medikament hatte letztes Mal einen anderen Festbetrag oder der Preis hat sich geändert. Wenn ein Medikament 30% unter Festbetrag liegt (= der Betrag, den die Krankenkasse bereit ist, für das Medikament maximal zu bezahlen), entfällt die Zuzahlung für den Patienten. Diese Festbeträge werden in unregelmäßigen Abständen gesenkt. Senkt der Hersteller den Preis nicht, muss man in Folge dessen zuzahlen. Genauso wäre es der Fall, wenn der Hersteller den Preis des Arzneimittels erhöht.

    Grund 3: Sie sind jetzt 18 Jahre alt. Glückwunsch! Ab sofort haben Sie ja genug Geld, also ist Zuzahlung fällig. Sie sind noch in der Ausbildung? Das ist Ihrer Krankenkasse leider egal. Falls das Einkommen sehr gering ist, kann man sich aber von der Zuzahlung befreien lassen.

    Grund 4: Sie waren letztes Jahr von der Rezeptgebühr befreit, haben dieses Jahr aber noch keinen Antrag gestellt. Also müssen Sie bezahlen, bis die Krankenkasse der Zuzahlungsbefreiung zustimmt.

  4. „Vorhin haben Sie gesagt, ich muss 5 Euro bezahlen, wenn ein Medikament unter 50 Euro kostet, aber meines ist günstiger und ich muss trotzdem mehr bezahlen, woran liegt das denn jetzt?“

    Da kommen wir wieder auf den Festbetrag zurück. Wie gesagt, die Krankenkasse legt fest, wieviel sie maximal bereit ist, für ein Arzneimittel zu bezahlen. Senkt sich der Festbetrag, der Hersteller bleibt aber beim alten Preis des Arzneimittels (der dem alten, höheren Festbetrag entspricht), dann muss der Patient sogenannte „Mehrkosten“ bezahlen – die Differenz zwischen Preis des Arzneimittels und Festbetrag. Meistens ist das nicht viel Geld, oft unter einem Euro, aber manchmal können das auch über 100 Euro sein. Paradoxerweise auch bei Präparaten, bei denen es gar keine günstigere Alternative mit dem gleichen Wirkstoff gibt. Das ist der Krankenkasse aber eher egal, denn die hat festgelegt, dass es von der Wirkung vergleichbare Arzneimittel gibt, die viel billiger sind. Die wirken bei Ihnen nicht so gut? Oder sie vertragen sie überhaupt nicht? Das wird da leider nicht berücksichtigt. Die Apotheke verdient an diesen Mehrkosten übrigens nichts, weil sie von der Krankenkasse für das Medikament ja auch sehr viel weniger bekommt, als es gekostet hat.

  5. „Für das Insulin hab ich noch nie bezahlt! Insulin kostet doch nichts!“

    Insulin ist ein Arzneimittel und für Arzneimittel muss man Zuzahlung leisten, es sei denn einer der oben angesprochenen Sonderfälle trifft zu. Nur für Blutzuckerteststreifen muss man nichts zuzahlen, wenn man Insulin spritzt. Alle anderen Dinge, auch Hilfsmittel, sind aber mit Zuzahlung verbunden. Hilfsmittel…das ist ein Thema für sich.

Es gibt auch noch spezial gelagerte Sonderfälle, z.B. Medikamente für künstliche Befruchtung, für die man als Patientin 50% der Kosten selbst tragen muss, aber das ist ein anderes Thema für einen anderen Tag.

Arzneimittelsharing

„Wissen Sie, woher Ihr Ausschlag kommt?“ „Ach ja, ganz doof gelaufen, da war ich krank im Urlaub und da hat mir eine Freundin ihr Antibiotikum gegeben und das hab ich nicht vertragen.“

„Ich bräuchte einmal Allopurinol, bitte.“ „Das ist verschreibungspflichtig, haben Sie ein Rezept?“ „Nein, ach, das ist ja blöd, das hatte mir mein Nachbar geliehen, weil es ihm so gut geholfen hatte und ich wollte ihm das jetzt zurückgeben.“

„Das sind aber nicht die selben Tabletten wie letztes Mal!“ „Welche waren es denn davor?“ „Ach, ich weiß es nicht mehr, die hab ich einem Freund weitergegeben.“

Liebe Menschen, bitte macht sowas nicht. Es hat einen Grund, dass Medikamente verschreibungspflichtig sind. Ihr wisst nicht, ob eure Freunde, Nachbarn, Kollegen oder der Schwippschwager Medikamente nehmen, die sich nicht mit anderen vertragen. Ihr wisst nicht, ob das Medikament in dem Fall überhaupt das Richtige wäre. Ihr wisst nicht, ob es Allergien gibt. Ihr wisst nicht, ob die Dosierung, die für euch selbst verschrieben wurde, so für andere Leute übernommen werden kann.

Und bitte, bitte werdet nicht wütend, wenn man höflich darauf hinweist, dass Weitergabe von verschreibungspflichtigen Medikamenten so nicht vorgesehen ist und Risiken hat. Ich sage das nicht, um euch zu ärgern. Aber falls da mal irgendwas schiefgeht, ist derjenige, der das Arzneimittel weitergegeben hat, auch mit haftbar (siehe §85 Arzneimittelgesetz).

Ich bin ein ganz normaler Tag*

Heute:

Einmal 20 min Wortgefecht, weil KundIn ganz sicher 20 Euro gegeben hatte, Angestellte aber ganz sicher 10 Euro entgegen genommen hatte. Lösung in Zukunft: Geld erst in die Kasse legen, wenn der Verkauf abgeschlossen ist. (Nachtrag: Nach Kassenabschluss war klar, dass alles von unserer Seite aus korrekt abgelaufen war.)

Einmal Stress, weil der Besuch aus dem Ausland nicht genug Tabletten für eine chronische Erkrankung dabei hatte. Ohne Rezept geht es nicht. Als sie dann eine Stunde später wieder kamen, war es zum Bestellen für den gleichen Tag zu spät – Resultat: Trotzreaktion, einem Kleinkind würdig.

Einmal Streit, weil PatientIn nicht das Rabattarzneimittel wollte, sondern ein anderes, aber nicht wusste, was. Ich bemühe mich immer, KundInnenwünsche zu erfüllen, aber wenn man nicht weiß, welchen Wunsch man erfüllen soll, wird es schwierig. Die Person verließ dann zornig die Apotheke, weil wir eine bestimmte Gratisbeigabe nicht da hatten (nein, nicht die Apotheken-Umschau.)

Ach, und was darf an einem normalen Tag gegen Jahresende nicht fehlen? „Haben Sie auch Kalender?“ – bitte stündlich nachzufragen. (Alle Jahre wieder!)

Dann aber auch die Kundin, die das mitbekam und sagte: „Ich weiß nicht, was heute mit den Leuten los ist. Schon der Weihnachtsstress?“

Meistens mag ich meinen Job. Aber heute bin ich sehr froh über den Feierabend.

*Ganz normaler Tag.

Endlich geschlechtsgetrennt inhalieren

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Da Mädchen ja völlig anders inhalieren als Jungs, hat die Firma Hexal zum Glück reagiert und eine 100% farbkompatible Inhalationshilfe auf den Markt gebracht. Mit Schmetterlingen und Blümchen

Die dazugehörige boyz-Version ist überraschenderweise nicht blau, sondern grün – vermutlich weil die schon länger auf dem Markt befindliche Erwachsenenversion blau ist. Hier mit Skater und Fahrrad. Mädchen fahren ja bekanntlich kein Rad und skaten tun sie erst recht nicht.

Die anderen, die haben gebrannt!

Ich gebe einem Kunden Augentropfen ab, die in der Vergangenheit negativ aufgefallen sind, weil sie nach einer Änderung der Zusammensetzung leicht zu Augenreizungen führen können.

„Vertragen Sie die Tropfen gut oder brennen sie manchmal im Auge?“
„Mit denen habe ich kein Problem, aber die vorher! Da war Salzsäure drin!“

… und stellen Sie sich vor, manchmal kommt auch Natronlauge rein! Aber nur, um den pH-Wert so anzupassen, dass es gut für Auge und Wirkstoff passt… Böse, böse Pharmaindustrie.

Privinismus*

„Zweimal Nasenspray AL, bitte.“ – „Nasenspray Ratiopharm, aber die große Flasche.“ – „Haben sie auch die 50 ml Otriven?“ – „Otriven, aber bitte das MIT Konservierung.“

Solche Kundenwünsche kommen nahezu täglich vor – und genauso täglich mein Hinweis, dass Nasenspray abhängig machen kann und man es nicht länger als eine Woche anwenden sollte. Das stößt oft auf taube Ohren, manchmal höre ich auch „Ich soll das nur besorgen.“. Ich könnte natürlich auch einfach den Mund halten, man wird schließlich nicht gerne an seine Abhängigkeit erinnert und, ganz ehrlich, es ist ja auch eine Einnahmequelle. Wenn ich privat in einer Apotheke bin und jemand neben mir Nasenspray verlangt, höre ich immer mit. Selten bekomme ich mit, dass Apotheker_innen oder PTAs die auf eine Woche begrenzte Anwendung erwähnen. Ich kenne Apotheken, die die 50 ml Otriven-Flasche an Lager haben und kommentarlos verkaufen. Für Laien: eine normale Nasenspray-Flasche fasst 10 ml und zumindest ich habe noch nie in meinem Leben bei normaler Anwendung, sprich: nur von einer Person eine Saison lang zu verwenden, so ein Fläschchen leer bekommen.

Es ist ein schwieriges Thema. Man möchte niemanden vor den Kopf stoßen, aber gleichzeitig auch signalisieren, dass man gerne hilft, wenn jemand versuchen möchte, sich zu entwöhnen. Die Tipps, die man dazu geben kann, sind aber auch wenig hilfreich: empfiehlt man, mit einer geringeren Dosierung weiterzumachen, wird dann oft einfach entsprechend öfter gesprüht. Und der „kalte Entzug“ ist natürlich auch kein Spaß, dabei kann die Nase über Tage oder sogar Wochen verstopft sein. Sehr gut nachvollziehbar, dass man darauf wenig Lust hat – wer kennt nicht das Gefühl leichter Panik, wenn die Nasenatmung nicht so funktioniert, wie sie sollte.

Also bleibe ich dabei – jedes Mal auf die begrenzte Anwendung hinweisen, damit möglichst wenige Leute in diese trivial erscheinende, aber sehr unangenehme Sucht hineinrutschen.

*das Wort leitet sich ab vom Handelsnamen Privin, ein Naphazolin-haltiges Nasenspray – nach wie vor im Handel, aber selten gebraucht.